Katz und Maus

Ihr kennt das Sprichwort: „Ist die Katze aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ Da hat wohl jemand mal zwei Sprichwörter miteinander vermengt. Tatsächlich müßte es heißen: „Ist der Hund aus dem Haus, tanzen die Mäuse auf dem Tisch.“ Oder auch: „Ist die Katze alleine zu Haus, tanzen …“

Es ist schon zwei, drei mal vorgekommen, daß Timmy eine Maus lebend mit hereingebracht und sie dort einfach laufen gelassen hat. Bisher war das Problem immer sehr schnell dadurch erledigt, daß Scotty hinter ihm aufgeräumt hat. Nun aber waren wir ja im Urlaub, und damit hatte der eingeschleppte Nager freie Bahn.

Das erste was uns nach unserer Heimkehr auffiel waren so komische rote Flecke am Boden direkt unterhalb des derzeit unbenutzten Kühlschranks im Hausarbeitsraum. Als wir die Kühlschranktür weiter öffneten, fanden wir das dort als Türstopper hingelegte Glühwein-Tetrapak rundum angenagt und umgeben von Mäusehinterlassenschaften:

Ein genauerer Blick beim Saubermachen offenbarte außerdem ein kleines Müsli-Vorratslager zwischen Kühlschrank und Unterschrank:

Die Maus hatte sich mittlerweile in Hausarbeitsraum und Küche so gut eingelebt, daß Scotty nicht mehr einfach so drankommt. Also haben wir nun alles Eßbare aus diesen beiden Zimmern ausgeräumt bzw. in verschlossenen Behältern untergebracht und gestern Abend eine Mausefalle aufgestellt:

In diesem Zustand fand ich die Falle heute Morgen vor:

Ganz schön kräftig, unser kleines Mäuschen…

Die Maus

Timmy hat ja seit Februar seinen eigenen Eingang, und er nutzt ihn weidlich – öfters auch dafür, sein selbst gefangenes Frühstück oder einen nächtlichen Snack mit nach Hause zu bringen. Das gibt dann schon mal Blutflecke auf der Badezimmermatte oder ein paar übrig gebliebene Innereien am Fuß der Treppe, die man, morgens mit noch halb geschlossenen Augen und bloßen Füßen nach unten kommend, erst im letzten Augenblick sieht… Leider ist Scotty nicht immer besonders gründlich beim „Hinterherputzen“. 🙂

Anders neulich. Da saßen wir gerade beim Abendbrot, als die Katzenklappe klapperte und der große weiße Jäger mit einer – glücklicherweise toten – Monster-Maus im Wohnzimmer erschien. Ehrlich, das war die größte Maus, die wir je gesehen hatten. Damit legte er sich solidarisch zu uns neben den Tisch und ruhte sich erst mal von der Jagd aus.

Scotty war natürlich höchst interessiert.  Um zu verhindern, daß Streit um die Beute entsteht, bzw. daß der Kater irgendwann anfängt, die Maus durch die Wohnung zu schleudern, habe ich letztere nach draußen in den Garten befördert.

Timmy war das eher schnuppe, er richtete sich erst mal wieder her:

Scotty war’s dagegen weniger egal. „Ich habe genau gesehen, wo du die Maus hingeworfen hast!“

„Sie ist dort draußen…“

„…und ich werde mich hier nicht wegbewegen, ehe irgendjemand diese Tür aufmacht!“

Endlich war es dann so weit: Der Abendabschlußspaziergang stand an und Dirk startete, um den armen Hund endlich zu erlösen, dieses Mal nicht durch die Haus- sondern durch die Terrassentür. Und da lag sie – DIE MAUS!

Scotty konnte sie in Ruhe vespeisen, den Kater hat’s nicht gestört. Danach ging man einträchtig in vollmondheller Nacht um den Block:

Die Morgengabe

Heute Morgen erwachte ich zu gewohnter Zeit, erinnerte mich, daß ich noch ein wenig im Bett bleiben konnte, und wollte nur kurz aufstehen, um einem morgendlichen Bedürfnis nachzugeben. Bevor ich aber die Augen richtig aufgemacht und  die Decke zurückgeschlagen hatte, hörte ich es vor meinem Bett miauen. Da ich mir – bei aller einer Katze gegenüber gebotenen Inkonsequenz – fest vorgenommen habe, unter keinen Umständen jemals bei Timmy den Eindruck zu erwecken, er könne mich früher aus dem Bett holen, wenn ihm danach ist, blieb ich ihm und meiner Blase gegenüber hart und unter der Deck liegen.

Nachdem die Maunzerei aufgehört hatte und über eine längere Zeit Ruhe eingekehrt war, stand ich schließlich auf um mich ins Bad zu begeben, und da sah ich, was der Kater gewollt hatte: vor meinem Bett lag eine Frühstücksüberraschung – eine tote Maus! Timmy hatte vor der Schlafzimmertür offensichtlich nur darauf gewartet, daß mir seine Morgengabe endlich auffiel, denn er kam umgehend reingetrabt und strich schnurrend um mich herum.

Nachdem ich ihm ausgiebig und gebührend für die Maus gedankt hatte, trug ich sie, vom Kater dicht gefolgt, nach unten und legte sie in seinen Napf. Das betrachtete er allerdings als Aufforderung, die Beute im Hausarbeitsraum durch die Gegend zu schleudern, daher beförderte ich sie ganz prosaisch nach draußen auf die Terasse und überließ es dort dem Kater, was er weiter damit anstellen wollte.

Anschließend brachte ich endlich den überfälligen Toilettengang hinter mich und verzog mich noch mal ins Bett. Als ich später wieder runter kam, war die Maus verschwunden – ich vermute mal, im Katermagen.